15 Minuten sprechen
Prozess

Active Sourcing im Vertrieb: wie du Verkäufer richtig ansprichst

Verkäufer (m/w/d) erkennen einen Serienbrief schneller als jede andere Zielgruppe, weil sie selbst beruflich mit Ansprache arbeiten. Active Sourcing im Vertrieb bedeutet, genau diese Zielgruppe gezielt anzuschreiben, statt auf Bewerbungen zu warten, und dabei nicht in die eigene Falle zu laufen.

Der Aufwand pro Nachricht ist höher als bei einer klassischen Anzeige, dafür ist die Trefferquote bei erfahrenen Rollen wie Account Executive oft der einzige Weg, überhaupt an passende Kandidaten heranzukommen.

Warum Active Sourcing im Vertrieb überhaupt nötig ist

Wer gut verkauft, ist selten auf Jobsuche. Gute Vertriebler verdienen über Provision, sitzen in einem funktionierenden Gebiet und werden von ihrem Arbeitgeber gehalten. Sie lesen keine Stellenbörsen, sie werden angesprochen. Für Junior-Rollen wie SDR reicht oft eine gute Anzeige, dazu mehr in unserem Beitrag zum Vertriebsmitarbeiter finden. Für erfahrenere Rollen wie Account Executive führt an der aktiven Ansprache kaum ein Weg vorbei.

Wo du Verkäufer findest, die zu deiner Rolle passen

LinkedIn ist der wichtigste Kanal, weil sich Vertriebler dort mit ihrer aktuellen Rolle, ihrer Branche und oft auch mit eigenen Erfolgen sichtbar präsentieren. Xing funktioniert für den deutschsprachigen Mittelstand teils noch zusätzlich. Branchenspezifische Vertriebsgruppen und Kommentarspalten unter Vertriebscontent zeigen dir, wer aktiv über sein Handwerk spricht, das ist oft ein zusätzliches Signal für Motivation.

Die Filterfunktion in LinkedIn hilft konkret weiter: Suche nach aktueller Berufsbezeichnung wie “Sales Development Representative” oder “Account Executive”, grenze auf die passende Branche ein und sortiere nach Dauer in der aktuellen Rolle. Wer seit 14 bis 24 Monaten in derselben SDR-Rolle sitzt, steht oft kurz vor dem Punkt, an dem der nächste Schritt zum Thema wird.

Wie du das Profil vor der ersten Nachricht liest

Ein paar Minuten Vorbereitung entscheiden, ob deine Nachricht wie Recherche oder wie Zufall wirkt. Schau dir drei Dinge an, bevor du schreibst: wie lange die Person schon in der aktuellen Rolle ist, ob sie kürzlich etwas gepostet oder kommentiert hat, und welches Produkt oder welche Zielgruppe sie aktuell verkauft. Diese drei Informationen reichen fast immer, um aus einer generischen Vorlage eine Nachricht zu machen, die tatsächlich nach einer Person klingt, die sich das Profil angeschaut hat.

Welcher Anlass wirklich funktioniert

Der Anlass entscheidet, ob eine Nachricht wie Recherche oder wie Zufallstreffer wirkt. Am zuverlässigsten funktionieren vier Situationen:

  • Der Rollenwechsel steht bevor. Ein SDR (m/w/d), der seit über einem Jahr in der Rolle ist und öffentlich signalisiert, dass er den nächsten Schritt zum Account Executive sucht, ist der klassische Fall. Mehr zu diesem Übergang steht in unserem Beitrag Vom SDR zum AE.
  • Ein sichtbares Karriere-Update. Ein neuer Job, eine Beförderung oder ein Jubiläum sind ein natürlicher Anlass für eine erste, unaufdringliche Nachricht.
  • Aktive Beiträge zum eigenen Handwerk. Wer kommentiert oder postet, zeigt Reflexion über den eigenen Job, das ist ein starkes Signal, unabhängig von der aktuellen Jobsuche.
  • Ein öffentliches Signal beim aktuellen Arbeitgeber. Eine Umstrukturierung, ein Stellenabbau oder ein Führungswechsel, über den in der Branche berichtet wird, macht viele Vertriebler offener für ein Gespräch, ganz ohne dass du dazu etwas Kritisches über den aktuellen Arbeitgeber schreiben musst.

Ein schlechter Anlass ist dagegen reiner Zufall, etwa “ich bin gerade auf dein Profil gestoßen” ohne erkennbaren Grund. Je konkreter der Anlass, desto glaubwürdiger wirkt die gesamte Nachricht.

Eine schwache Nachricht im Wortlaut

Hallo Max,

ich habe dein Profil gesehen und bin überzeugt, dass du perfekt zu unserer offenen Position als Account Executive (m/w/d) passt. Wir sind ein aufstrebendes Startup mit einer einzigartigen Lösung und suchen Vertriebspersönlichkeiten mit Hunter-Mentalität. Hättest du Interesse an einem Gespräch?

Beste Grüße

Diese Nachricht könnte an tausend verschiedene Profile gehen, ohne ein Wort ändern zu müssen. “Perfekt”, “einzigartig” und “Hunter-Mentalität” sind genau die Floskeln, die ein Verkäufer täglich in mehreren Varianten bekommt. Nichts darin zeigt, dass wirklich jemand das Profil gelesen hat.

Eine gute Nachricht im Wortlaut

Hallo Max,

du bist seit über einem Jahr SDR bei [Firma] und hast letzte Woche gepostet, dass du bereit für den nächsten Schritt bist. Wir bauen bei [Firma X] gerade das AE-Team auf, verkaufen an mittelständische Speditionen, Ticketgröße 15.000 bis 40.000 Euro im Jahr. Kein Pitch jetzt, nur eine Frage: Würde ein 15-minütiges Gespräch nächste Woche für dich passen, um zu sehen, ob das überhaupt in deine Richtung geht?

Viele Grüße, [Name]

Der Unterschied liegt in drei Details: ein konkreter, öffentlich sichtbarer Anlass, klare Zahlen statt vager Versprechen, und ein erster Schritt, der so klein ist, dass er sich leicht zusagen lässt.

Wie du den ersten Schritt klein hältst

Frag nie direkt nach einem Bewerbungsgespräch oder einer Zusage. Frag nach 15 Minuten, nach einer unverbindlichen Einschätzung, ob das Thema überhaupt interessant ist. Wer schon in der ersten Nachricht nach einem festen Termin für ein Vorstellungsgespräch fragt, verlangt von jemandem in einer sicheren Position einen Schritt, den er noch nicht gehen will.

Das gilt auch für den Zeitpunkt des Gesprächs selbst. Biete konkrete Slots außerhalb der üblichen Arbeitszeit an, etwa früh morgens oder abends, weil jemand in einer laufenden Anstellung ein Gespräch mit einem neuen Arbeitgeber selten während der eigenen Arbeitszeit führen will. Das zeigt Respekt vor der Position, in der sich die Person gerade befindet, und macht die Zusage für ein erstes Gespräch spürbar leichter.

Wie oft und wie du nachfasst

ZeitpunktWas du schreibst
Direkt nach der Erstnachricht ohne Antwort, nach etwa 5 TagenKurzer, freundlicher Reminder, keine neue Information nötig
Nach weiteren 7 Tagen ohne AntwortLetzte kurze Nachricht, Tür offen lassen, keine dritte Nachricht mehr
Bei klarer AbsageKurzer Dank, keine Nachfrage nach dem Warum

Zwei Nachfassnachrichten reichen. Wer öfter schreibt, wirkt aufdringlich statt hartnäckig, und genau das schadet dem Ruf, den du für zukünftige Ansprachen brauchst.

Rechtlicher Rahmen für die Ansprache

Die gezielte Ansprache von Beschäftigten anderer Unternehmen ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt, solange sie auf beruflichen Netzwerken wie LinkedIn oder Xing stattfindet, wo ein geschäftlicher Kontext besteht. Unlauter wird es, wenn Betriebsgeheimnisse abgefragt werden, wenn gezielt zum Bruch eines laufenden Vertrags angestiftet wird, oder wenn private Kanäle wie die persönliche Mailadresse oder das Diensttelefon ohne geschäftlichen Bezug genutzt werden, das fällt unter das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Bleib bei der Ansprache über berufliche Netzwerke, dann bewegst du dich sicher innerhalb dieses Rahmens.

Achte zusätzlich auf mögliche Wettbewerbsverbote oder Kundenschutzklauseln, die für den aktuellen Arbeitgeber des Kandidaten gelten könnten. Diese binden in der Regel die Person selbst, nicht dich als ansprechendes Unternehmen, trotzdem lohnt sich ein kurzer Hinweis im Gespräch, damit der Kandidat selbst prüft, was in seinem Vertrag steht, bevor er kündigt.

Wie du im weiteren Verlauf prüfst, ob jemand aus der Ansprache tatsächlich verkaufen kann, bevor du dich entscheidest, steht auf unserer Seite zum Verkaufs-Test. Wenn du selbst Vertriebler bist und wissen willst, wie du eine solche Ansprache am besten beantwortest, findest du mehr auf unserer Seite für Vertriebler.

Häufige Fragen

Ist Active Sourcing im Vertrieb rechtlich erlaubt?

Ja, die Ansprache von Beschäftigten anderer Unternehmen über berufliche Netzwerke ist in Deutschland grundsätzlich zulässig. Problematisch wird es erst, wenn Betriebsgeheimnisse verraten werden, gezielt zum Vertragsbruch angestiftet wird, oder wenn du Menschen über private Kanäle ansprichst, mit denen kein geschäftlicher Bezug besteht.

Wie oft sollte ich nachfassen, wenn keine Antwort kommt?

Ein bis zwei Nachfassnachrichten im Abstand von etwa einer Woche reichen. Danach ist Funkstille meist eine klare Antwort, und weitere Nachrichten wirken eher aufdringlich als hartnäckig.

Sollte ich Kandidaten direkt bei ihrem aktuellen Arbeitgeber kontaktieren?

Berufliche Netzwerke wie LinkedIn sind der richtige Kanal, weil dort ohnehin ein geschäftlicher Kontext besteht. Die private Mailadresse oder das Diensttelefon des aktuellen Arbeitgebers sind tabu, das fällt unter unlautere Werbung.

Was mache ich, wenn ein Kandidat direkt absagt?

Bedank dich kurz und lass die Tür offen, ohne nachzuhaken warum. Viele Absagen sind reine Zeitfragen, nicht grundsätzliches Desinteresse, und ein höflicher Abschluss ist der Grund, warum dich jemand ein halbes Jahr später doch anschreibt.

Du hast gerade eine Vertriebsstelle offen?

Wir besetzen sie in 21 Tagen. Jeder Kandidat, der bei dir im Kalender landet, hat vorher bei uns live am Telefon verkauft. Du zahlst keinen Cent, bis dein Vertriebler eingestellt ist.

Termin vereinbaren So läuft der Verkaufs-Test