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Provisionsmodell im Vertrieb gestalten: Fixum, variabel und Fallstricke

Ein Provisionsmodell im Vertrieb funktioniert, wenn vier Dinge geklärt sind: das Verhältnis zwischen Fixum und variabel, worauf provisioniert wird, wann ausgezahlt wird und was bei Storno oder Zielverfehlung passiert. Wer nur an der Prozentzahl schraubt und den Rest offen lässt, bekommt Streit statt Motivation.

Was ein gutes Provisionsmodell leisten muss

Ein Provisionsmodell soll Verhalten steuern, das dem Unternehmen nützt, ohne den Vertriebler (m/w/d) in finanzielle Unsicherheit zu stürzen. Das gelingt nur, wenn Modell und Zielsetzung so einfach sind, dass jeder im Team seine eigene Provision im Kopf ausrechnen kann.

Ist das Modell zu kompliziert, verliert es seine Wirkung als Anreiz, weil niemand mehr nachvollziehen kann, wofür er gerade arbeitet. Halte die Formel auf einen Satz reduzierbar.

Das Verhältnis zwischen Fixum und variabel

Für SDR (m/w/d) sind laut Prowi 70 Prozent Fixum zu 30 Prozent variabel bei Berufseinstieg üblich, mit wachsender Erfahrung verschiebt sich das Richtung 60 zu 40. Für Account Executive (m/w/d) liegt der übliche Korridor zwischen 50 zu 50 und 60 zu 40, Enterprise-Rollen tendieren zum höheren Fixanteil.

Die Logik dahinter: Je mehr eine Rolle vom eigenen Verhalten abhängt und je weniger von externen Faktoren wie Budgetfreigaben beim Kunden, desto größer darf der variable Anteil sein, ohne den Vertriebler in eine unplanbare Situation zu bringen.

Worauf du provisionierst: Termin, Abschluss, Umsatz oder Deckungsbeitrag

Wonach du bemisst, entscheidet, welches Verhalten du bekommst. Provisionierst du auf Umsatz, verkaufen deine Leute tendenziell mit mehr Rabatt, um wenigstens den Umsatz zu retten. Provisionierst du auf Deckungsbeitrag, verkaufen sie vorsichtiger mit Rabatten, weil der Rabatt direkt ihre eigene Provision schmälert.

Laut einer Analyse von Web-Copilot führt reine Umsatzprovision häufiger zu aggressiveren Rabatten, während Deckungsbeitragsmodelle nachhaltigeres Verkaufsverhalten fördern, weil Kosten und Marge mitgedacht werden. Für SDR ist die Bemessungsgrundlage meist einfacher: qualifizierte Termine oder daraus entstandene Opportunities, nicht der spätere Abschluss, den sie selbst kaum kontrollieren.

Wie hoch die Provision selbst ausfällt, hängt stark von Branche und Rolle ab. Laut Acquisa bewegt sich die übliche Provision im Vertrieb häufig zwischen 5 und 20 Prozent des generierten Umsatzes, mit deutlichen Unterschieden je nach Produktwert und Branche. Wichtiger als die exakte Prozentzahl ist, dass sie für dein Produkt und deinen durchschnittlichen Dealwert überhaupt durchgerechnet wurde, statt aus einer anderen Branche übernommen zu sein.

Wann die Provision ausgezahlt wird

Die Faustregel: so nah wie möglich am auslösenden Ereignis, aber erst wenn es rechtssicher feststeht. Für SDR heißt das meist Auszahlung im Monat nach dem qualifizierten Termin. Für AE ist der übliche Zeitpunkt die Unterschrift des Vertrags oder der Zahlungseingang, je nachdem wie stornoanfällig das Geschäft ist.

Wer zu früh auszahlt, etwa direkt bei der mündlichen Zusage, riskiert Rückforderungen bei geplatzten Deals. Wer zu spät auszahlt, etwa erst nach vollständiger Bezahlung durch den Kunden, verzögert den Anreiz so weit, dass er kaum noch wirkt.

Deckelung: ja oder nein

Eine Deckelung macht die Kosten für dich planbar, begrenzt aber auch den Anreiz für deine besten Leute. Ohne Deckel kann ein einzelner Großdeal die Provision eines Vertrieblers stark ansteigen lassen, was intern für Diskussionen sorgt, gleichzeitig aber der stärkste Hebel ist, um Top-Performer zu halten.

Eine belastbare Studie zur optimalen Höhe einer Deckelung gibt es nicht. In der Praxis überwiegt der Rat, bei Rollen mit stark schwankender Dealgröße eher nicht zu deckeln und stattdessen mit einem Accelerator zu arbeiten, der die Provision ab einer bestimmten Zielerreichung überproportional steigen lässt.

Ein Accelerator kann zum Beispiel so aussehen: Bis 100 Prozent Zielerreichung gilt der reguläre Provisionssatz, von 100 bis 150 Prozent steigt er um die Hälfte, darüber verdoppelt er sich. Das belohnt Top-Performer, ohne dass du im Normalfall unplanbar hohe Summen zahlst, denn die höheren Sätze greifen erst, wenn ohnehin schon überdurchschnittlich viel verkauft wurde.

Rückforderung bei Storno

Storniert ein Kunde kurz nach Abschluss, stellt sich die Frage, ob die bereits ausgezahlte Provision zurückgefordert wird. Rechtlich sind solche Rückforderungsklauseln nur wirksam, wenn sie transparent formuliert sind. Laut Osborne Clarke scheitern intransparente Klauseln vor Gericht regelmäßig, der Arbeitgeber bleibt dann auf der bereits gezahlten Provision sitzen.

Praktikabler als die nachträgliche Rückforderung ist meist eine kurze Haltefrist vor der Auszahlung, zum Beispiel 30 Tage nach Vertragsunterschrift, in denen sich zeigt, ob der Kunde beim Deal bleibt.

Die Ramp-Phase: wie neue Mitarbeiter fair starten

Neue Vertriebler brauchen Zeit, bis Pipeline und Prozess laufen, in dieser Zeit trägt das volle Provisionsmodell sie noch nicht. Laut Bridge-Group-Daten, zitiert bei Blossom Street Ventures, liegt die durchschnittliche Ramp-Zeit bei SDR bei 3,2 Monaten, bei AE bei 4,3 Monaten.

Üblich ist deshalb eine Ramp-Vergütung: In den ersten Monaten bekommt der neue Mitarbeiter einen garantierten Anteil oder ein höheres Fixum, das schrittweise auf das reguläre Modell absinkt, sobald die Pipeline trägt. Ohne diese Übergangsphase verlierst du gerade die Kandidaten, die eigentlich am längsten bleiben würden, weil ihnen die ersten Monate finanziell zu unsicher sind.

Beispielrechnung: eine SDR-Provision durchgerechnet

Ein SDR mit 42.000 Euro Fixum und einem 65/35-Split hat bei vollständiger Zielerreichung Anspruch auf rund 22.600 Euro variable Vergütung, macht ein OTE von etwa 64.600 Euro im Jahr. Bei 15 qualifizierten Terminen pro Monat als Ziel und einer Provision von 125 Euro pro qualifiziertem Termin ergibt das bei 12 Monaten und vollständiger Zielerreichung dieselbe Summe: 15 mal 125 Euro mal 12 Monate sind 22.500 Euro.

Erreicht der SDR nur 70 Prozent des Ziels, sinkt die variable Vergütung auf etwa 15.750 Euro, das Gesamtgehalt liegt dann bei rund 57.750 Euro. An diesem Punkt zeigt sich, ob dein Ziel realistisch war: Bleibt ein Großteil des Teams dauerhaft unter 70 Prozent, liegt das Problem eher am Ziel als am Vertriebler.

Die kurze Checkliste fürs Provisionsmodell

  • Verhältnis Fixum zu variabel an Rolle und Erfahrung ausrichten, nicht pauschal übernehmen
  • Bemessungsgrundlage klar benennen, Termin, Abschluss, Umsatz oder Deckungsbeitrag
  • Auszahlungszeitpunkt so nah wie möglich am Ereignis, aber rechtssicher
  • Deckelung bewusst entscheiden, nicht aus Gewohnheit übernehmen
  • Rückforderungsklauseln transparent formulieren, sonst sind sie im Zweifel nicht durchsetzbar
  • Ramp-Phase für jeden neuen Mitarbeiter fest einplanen, mindestens drei bis vier Monate

Wie sich diese Bausteine konkret bei SDR-Gehältern und AE-Gehältern niederschlagen, zeigen die beiden verlinkten Beiträge im Detail. Wer die Vergütung fair baut, aber trotzdem die falschen Leute einstellt, hat wenig gewonnen, deshalb lohnt sich zusätzlich ein Blick auf das Einstellen von SDR und das Einstellen von Account Executives.

Häufige Fragen

Wie hoch sollte der Fixanteil bei SDR und AE sein?

Bei SDR sind 60 bis 70 Prozent Fixum üblich, bei AE eher 50 bis 60 Prozent. Der Unterschied liegt daran, wie stark die jeweilige Rolle das Ergebnis selbst beeinflussen kann.

Worauf sollte im Vertrieb provisioniert werden, Umsatz oder Deckungsbeitrag?

Deckungsbeitrag fördert vorsichtigeres, nachhaltigeres Verkaufsverhalten, weil Rabatte die eigene Provision direkt schmälern. Reine Umsatzprovision führt häufiger zu aggressiven Rabatten, um wenigstens den Umsatz zu retten.

Was ist eine Ramp-Phase und warum braucht sie jeder neue Vertriebler?

Die Ramp-Phase ist die Zeit, bis ein neuer Mitarbeiter volle Produktivität erreicht, laut Bridge-Group-Daten im Schnitt 3,2 Monate bei SDR und 4,3 Monate bei AE. Ohne garantierte Vergütung in dieser Zeit verlierst du gerade die Kandidaten, die eigentlich am längsten bleiben würden.

Sollte Provision gedeckelt werden?

Eine Deckelung macht Kosten planbar, begrenzt aber auch den Anreiz für die besten Vertriebler. Bei stark schwankender Dealgröße ist ein Accelerator statt einer harten Deckelung oft die praktikablere Lösung.

Du hast gerade eine Vertriebsstelle offen?

Wir besetzen sie in 21 Tagen. Jeder Kandidat, der bei dir im Kalender landet, hat vorher bei uns live am Telefon verkauft. Du zahlst keinen Cent, bis dein Vertriebler eingestellt ist.

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