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SDR einstellen: Anforderungsprofil, Ablauf, Fehler

Ein SDR (Sales Development Representative, m/w/d) sitzt am Telefon oder schreibt Nachrichten, bis ein qualifizierter Termin im Kalender des Vertriebs oder des Gründers steht. Den Abschluss selbst führt danach der Account Executive oder der Gründer. Wer diese Rolle beim Anforderungsprofil und in der Auswahl wie eine kleine Ausgabe des Account Executive behandelt, stellt am Ende jemanden ein, der zur falschen Aufgabe passt.

Dieser Beitrag geht durch, was die Rolle wirklich beinhaltet, welches Anforderungsprofil tatsächlich zählt, warum eine SDR-Anzeige viel Volumen und wenig Qualität zieht, und wie du daraus trotzdem die richtigen Leute filterst.

Was ein SDR eigentlich macht

Ein SDR füllt die Pipeline für den Vertrieb. Er recherchiert Zielkunden, spricht sie per Telefon, E-Mail oder LinkedIn an, qualifiziert das Interesse und übergibt einen Termin an den Account Executive oder direkt an den Gründer. Verantwortlich ist er für die Zahl und die Qualität dieser Termine, nicht für den Abschluss selbst.

Diese Trennung ist der Grund, warum viele Startups die Rolle zuerst einführen, bevor ein eigener Account Executive überhaupt gebraucht wird: Ein SDR erzeugt die Gespräche, die der Gründer dann selbst führt. Eine genaue Abgrenzung der Aufgaben findest du in unserem Beitrag Was macht ein SDR?.

Der Tagesablauf besteht deshalb aus Recherche, Kontaktaufnahme und kurzen Qualifizierungsgesprächen, in wiederkehrenden Blöcken. Ob der Schwerpunkt eher auf Kaltansprache oder auf der Bearbeitung eingehender Anfragen liegt, hängt von deinem Kanal-Mix ab, die Grundtätigkeit bleibt aber gleich: viele kurze Kontakte, aus denen wenige gute Termine werden.

Welches Anforderungsprofil du wirklich brauchst

Ein gutes SDR-Anforderungsprofil beschreibt Verhalten, keine Eigenschaften. Wer “Hunter-Mentalität” oder “kommunikationsstark” ins Inserat schreibt, filtert niemanden, weil sich fast jeder Bewerber darin wiederfindet. Aussagekräftig wird es erst, wenn du beschreibst, was die Person tun muss, und wie du das prüfst.

Floskel im InseratWas du eigentlich meinstWie du es prüfst
Hunter-MentalitätHält tägliche Ablehnung aus, ohne die Energie zu verlierenFrag nach einer Serie erfolgloser Anrufe und wie es danach weiterging
KommunikationsstarkKommt am Telefon in wenigen Sätzen auf den PunktLass ihn ein Produkt in dreißig Sekunden erklären
TeamplayerGibt Informationen aus Gesprächen sauber an den Account Executive weiterFrag nach einer Übergabe, die schiefging, und warum
EigeninitiativeArbeitet eine Liste selbstständig ab, ohne tägliche AnsageFrag, wie ein Arbeitstag ohne Vorgaben aussieht

Erfahrung im Vertrieb ist für die Rolle hilfreich, aber kein Muss. Wichtiger sind sprachliche Klarheit, Belastbarkeit am Telefon und die Bereitschaft, eine Liste konsequent abzuarbeiten.

So liest sich ein Anforderungsprofil, das tatsächlich beschreibt, was am Telefon passiert, statt Eigenschaften aufzuzählen:

Du sprichst täglich mit Gründern von B2B-Startups, die gerade eine Finanzierungsrunde abgeschlossen haben. Deine Aufgabe: In wenigen Sätzen Interesse wecken und einen Termin für unseren Account Executive sichern. Zuhören und gezielt nachfragen zählt dabei mehr als ein auswendig gelerntes Skript.

Wer das liest, weiß, worauf er sich einlässt. Wer sich davon nicht angesprochen fühlt, bewirbt sich erst gar nicht, und das ist im Sinne einer sauberen Vorauswahl.

Warum SDR-Stellen viel Volumen und wenig Qualität ziehen

SDR gilt als Einstiegsrolle in den Vertrieb. Deshalb bewerben sich Berufseinsteiger, Quereinsteiger aus Gastronomie oder Einzelhandel und Leute, die primär einen Fuß in die Tür wollen, in großer Zahl. Auf eine sichtbare Anzeige kommen schnell viele Bewerbungen mit ähnlichen Lebensläufen und ähnlichen Formulierungen.

Das eigentliche Problem dabei: Kein Lebenslauf zeigt, ob jemand am Telefon überzeugt, mit Ablehnung umgehen kann oder nach dem zehnten “kein Interesse” noch den elften Anruf macht. Diese Fähigkeiten zeigen sich erst im Tun. Formulierungen wie “immer meine Ziele übertroffen” oder “sehr kommunikationsstark” tauchen in fast jeder Bewerbung auf, ohne dass sich das im Gespräch prüfen lässt. Genau deshalb brauchst du für diese Rolle einen Auswahlprozess, der weniger auf Selbstauskunft und mehr auf beobachtbarem Verhalten aufbaut.

Wie du aus dem Volumen filterst

Der wirksamste Filter ist ein früher Praxis-Check, nicht ein drittes Gespräch über Motivation.

  1. Telefon-Screen statt Video-Interview zuerst. Ein kurzes Telefonat von zehn Minuten zeigt mehr über die eigentliche Fähigkeit als ein Video-Call, weil es die Arbeitssituation abbildet.
  2. Kleine Verkaufsaufgabe für die engere Auswahl. Gib ein einfaches Produkt vor und lass den Kandidaten einen kurzen Anruf simulieren, mit einem echten Einwand. Wie so ein standardisierter Verkaufs-Test im Detail abläuft, haben wir separat beschrieben.
  3. Erst danach das persönliche Gespräch. Wer die ersten beiden Stufen übersteht, verdient die Zeit für ein ausführliches Gespräch über Ziele und Passung.

So sortierst du in wenigen Tagen aus, statt jeden eingehenden Lebenslauf gleich zu behandeln. Wichtig dabei: Kündige das Rollenspiel vorher an. Wer überrascht wird, zeigt eher Nervosität als tatsächliches Können, und du verlierst gute Kandidaten, die sich gerne vorbereitet hätten.

Ablauf: von der Anzeige zum ersten Arbeitstag

Anzeige und aktive Ansprache sollten parallel laufen, nicht nacheinander. Die Anzeige liefert Nachschub, die aktive Ansprache bringt gezielt Profile, die zu deinem Zielkunden passen. Danach folgt der Filter aus dem vorigen Abschnitt, dann das Angebot, dann die Einarbeitung.

Realistisch ist ein Ablauf von wenigen Wochen bis zur Unterschrift, wenn Sichtung und Interviews gebündelt statt über den Tag verteilt laufen. Leg dir feste Slots für Gespräche fest, zum Beispiel zwei feste Zeitfenster pro Woche, statt jedes Mal neu zu koordinieren. Das allein verkürzt die Strecke von der Bewerbung bis zur Zusage spürbar, weil nicht jede Terminfindung zur eigenen kleinen Verhandlung wird.

Wie du diese Zeit strukturell verkürzt, steht in unserem Beitrag zu Time-to-Hire im Vertrieb.

Einarbeitung und Ramp-Zeit realistisch einplanen

Auch ein guter SDR liefert nicht ab Tag eins volle Zahlen. Laut Auswertungen der Bridge Group braucht ein SDR im Schnitt rund drei Monate, bis er sein volles Pensum eigenständig erreicht, in Teams ohne strukturiertes Onboarding zieht sich das auf vier bis fünf Monate (Prospeo SDR-Benchmarks).

Das heißt konkret: Plane die ersten Wochen als Lernphase mit engem Feedback, nicht mit vollen Zielvorgaben. Miss in dieser Phase eher Aktivität als Ergebnis, also Anzahl der Anrufe, Gesprächsdauer, Qualität der Notizen, bevor du überhaupt auf Terminzahlen schaust. Wer erst nach zwei Monaten die volle Zielzahl verlangt, verwechselt eine normale Lernkurve mit einem Leistungsproblem und verliert dadurch oft Leute, die eigentlich auf einem guten Weg waren.

Ein strukturierter Plan für die ersten dreißig, sechzig und neunzig Tage verkürzt diese Zeit spürbar, wie in unserem Beitrag zum Onboarding von Vertriebsmitarbeitern beschrieben.

Typische Fehler beim SDR einstellen

  • Überqualifiziert einstellen. Ein erfahrener Verkäufer auf einer SDR-Stelle langweilt sich schnell und ist wieder weg. Die jährliche Fluktuation in SDR-Teams liegt ohnehin schon bei rund 30 bis 34 Prozent (Bridge Group via forentrepreneurs.com), eine Fehlbesetzung bei der Erwartungshaltung verschärft das zusätzlich.
  • Keine klaren Aktivitätsziele. Ohne tägliche oder wöchentliche Zielgrößen weiß niemand, ob die Ramp-Zeit normal verläuft oder ob etwas schiefläuft.
  • Nur nach Interview-Eindruck einstellen. Sympathisch im Gespräch heißt nicht überzeugend am Telefon. Genau das trennt sich in der Praxis oft.
  • Keinen Einarbeitungsplan haben. Wer den Ramp nicht plant, verlängert ihn.
  • Das Rollenspiel überraschend ansetzen. Ohne Vorankündigung testest du Nervosität, nicht Fähigkeit, und schreckst gute Kandidaten ab.
  • Zu spät absagen. Wer nicht passt, sollte das zeitnah erfahren. Ein langer, unklarer Prozess kostet dich genau die Kandidaten, die auch anderswo Angebote bekommen.

Die kurze Checkliste

  • Anforderungsprofil in Verhalten beschreiben, nicht in Eigenschaften
  • Anzeige und aktive Ansprache parallel laufen lassen
  • Telefon-Screen vor dem Video-Interview
  • Kleine Verkaufsaufgabe für die engere Auswahl
  • Drei bis fünf Monate Ramp-Zeit realistisch einplanen
  • Aktivitätsziele für die ersten Wochen festlegen, nicht erst für später

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem SDR und einem Account Executive?

Ein SDR qualifiziert Leads und vereinbart Termine, ein Account Executive führt diese Termine zum Abschluss. Der SDR wird an der Zahl und Qualität der Termine gemessen, der Account Executive am Umsatz. Beide Rollen brauchen unterschiedliche Anforderungsprofile und unterschiedliche Auswahlverfahren.

Wie viel Berufserfahrung braucht ein guter SDR?

Wenig bis keine. Wichtiger als Vertriebserfahrung sind sprachliche Klarheit am Telefon, Belastbarkeit gegenüber Ablehnung und die Bereitschaft, eine Kontaktliste konsequent abzuarbeiten. Viele gute SDRs kommen aus fachfremden Berufen mit viel Kundenkontakt.

Wie lange dauert es, bis ein SDR volle Leistung bringt?

Im Schnitt rund drei Monate, in Teams ohne strukturiertes Onboarding auch vier bis fünf. Plane die ersten Wochen deshalb als Lernphase mit engem Feedback statt mit vollen Zielvorgaben, sonst wirkt eine normale Ramp-Zeit wie ein Leistungsproblem.

Wie erkenne ich im Bewerbungsprozess, ob jemand telefonieren kann?

Am zuverlässigsten mit einem kurzen Telefon-Screen statt einem Video-Interview, ergänzt um eine kleine Verkaufsaufgabe mit einem echten Einwand. Ein Lebenslauf oder ein souveränes Gespräch über Motivation zeigt diese Fähigkeit kaum.

Du hast gerade eine Vertriebsstelle offen?

Wir besetzen sie in 21 Tagen. Jeder Kandidat, der bei dir im Kalender landet, hat vorher bei uns live am Telefon verkauft. Du zahlst keinen Cent, bis dein Vertriebler eingestellt ist.

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