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Einstieg

Quereinstieg in den Vertrieb ohne Erfahrung

Du kannst ohne Vertriebstitel im Lebenslauf in den Vertrieb wechseln, und zwar öfter, als die meisten Stellenanzeigen vermuten lassen. Entscheidend ist, ob du täglich mit Menschen sprichst, Ablehnung aushältst und trotzdem dranbleibst. Ein Titel wie “Vertrieb” im alten Lebenslauf spielt dabei eine kleinere Rolle.

Dieser Beitrag zeigt, aus welchen Berufen der Wechsel am häufigsten klappt, wie du deine Erfahrung im Gespräch übersetzt und womit du realistisch anfängst.

Brauchst du wirklich Vertriebserfahrung für den Einstieg?

Nein, für den Einstieg nicht. Viele Unternehmen stellen bei ihrer ersten oder zweiten Vertriebsrolle bewusst Quereinsteiger (m/w/d) ein, weil sie noch keine schlechten Gewohnheiten mitbringen und günstiger einzuarbeiten sind als erfahrene Vertriebler.

Was zählt, ist nachweisbarer Kundenkontakt unter Druck. Hast du schon einmal jemandem etwas erklärt, das er zuerst nicht wollte? Bist du am Telefon oder an der Theke schon abgewiesen worden und hast trotzdem weitergemacht? Das ist die eigentliche Vorerfahrung.

Unternehmen, die für den Vertrieb einstellen, wissen das meistens selbst. Wer eine erste oder zweite Vertriebsstelle besetzt, sucht selten den fertigen Vertriebsprofi, viel eher jemanden mit Grundhaltung und Trainierbarkeit. Zeig im Prozess also weniger Fachvokabular und mehr echte Situationen aus deinem bisherigen Job.

Aus welchen Berufen der Wechsel am häufigsten gelingt

Der Wechsel gelingt am ehesten aus Berufen, die schon jetzt viel direkten, oft unangenehmen Kundenkontakt verlangen.

HerkunftsberufWas direkt übertragbar ist
GastronomieStressresistenz, mehrere Gespräche parallel führen, freundlich bleiben unter Druck
EinzelhandelBedarf erkennen, Einwände im Verkaufsgespräch, Abschluss an der Kasse
Fitnessstudio, MitgliedschaftsverkaufDirekter Verkauf, Probetraining zum Abschluss führen, ein Nein aushalten
CallcenterTelefonroutine, Gesprächsleitfäden nutzen, hohe Kontaktzahl pro Tag
Handwerk mit KundenkontaktFachliche Beratung, Vertrauen aufbauen, Angebote erklären
Fundraising, PromotionKaltansprache auf der Straße, sehr hohe Ablehnungsrate aushalten

Gemeinsam ist allen sechs Bereichen, dass du dort schon lange machst, wovor sich viele im Büro scheuen: fremde Menschen ansprechen und mit einem Nein weitermachen.

Weniger typisch, aber genauso brauchbar sind Berufe mit viel Verantwortung ohne direkten Verkauf, zum Beispiel Schichtleitung in der Gastronomie oder Teamführung im Einzelhandel. Wer dort schon Kolleginnen und Kollegen koordiniert oder Kundenbeschwerden eskaliert hat, bringt Organisationstalent mit, das im Vertriebsalltag ebenfalls zählt, auch wenn es seltener als erstes genannt wird.

Wie du diese Erfahrung im Gespräch übersetzt

Übersetze Tätigkeiten in Vertriebssprache, ohne sie zu übertreiben. Aus “ich habe im Service gearbeitet” wird zum Beispiel “ich habe pro Schicht mit 40 bis 60 Gästen gesprochen, Zusatzverkäufe empfohlen und auch mit unzufriedenen Gästen ruhig weitergearbeitet”.

Konkret hilft dir im Gespräch:

  • Eine Zahl nennen, auch grob geschätzt: wie viele Kontakte, wie oft am Tag
  • Eine Situation mit echtem Einwand oder echter Beschwerde schildern, und wie du reagiert hast
  • Sagen, was dich am Verkaufen selbst schon gereizt hat, nicht nur am neuen Gehalt

Mehr Beispiele für den Wechsel speziell aus Gastronomie und Einzelhandel findest du in Vom Quereinstieg aus Gastro und Einzelhandel in den Vertrieb.

Womit du realistisch startest

Der typische Einstieg ohne Vertriebserfahrung ist die Rolle als SDR, kurz für Sales Development Representative (m/w/d). Dort vereinbarst du Termine für erfahrenere Kolleginnen und Kollegen, statt selbst abzuschließen, das senkt die Einstiegshürde deutlich.

Laut StepStone liegt das Jahresgehalt für Junior-SDRs in Deutschland zwischen rund 34.000 und 50.000 Euro, je nach Fixum-Anteil, Region und Unternehmensgröße. Was die Rolle im Alltag genau bedeutet, erklären wir separat in Was macht ein SDR wirklich?

Was du in den ersten Monaten lernen musst

Die fachliche Lernkurve ist in den ersten drei Monaten am steilsten. Das Reden mit Menschen kannst du meist schon, neu ist vor allem das System drumherum.

Plane ein, dich einzuarbeiten in:

  1. Ein CRM-System, um Kontakte, Status und nächste Schritte sauber zu pflegen
  2. Einen Gesprächsleitfaden, der dir am Anfang Sicherheit gibt, bis du eigene Formulierungen findest
  3. Kaltakquise am Telefon, oft der ungewohnteste Teil, dazu mehr in Cold Calling lernen
  4. Einwandbehandlung im Vertriebskontext, die anders läuft als an der Ladentheke, weil der Gesprächspartner meist nicht vor dir steht

Der größte Unterschied zu deinem alten Job liegt meist weniger im Gespräch selbst als in der Dokumentation davor und danach. Im Einzelhandel oder in der Gastronomie läuft ein Kundenkontakt ab und ist erledigt. Im Vertrieb hält ein sauber gepflegtes CRM fest, wer wann was gesagt hat, damit du und deine Kolleginnen und Kollegen später darauf aufbauen können. Diese Disziplin unterschätzen viele Quereinsteiger am Anfang.

Welche Einwände gegen Quereinsteiger kommen und wie du sie entkräftest

Der häufigste Einwand lautet, du kennst die Branche oder das Produkt nicht. Das stimmt am ersten Tag, aber Produktwissen lässt sich in Wochen aufholen, Gesprächsführung unter Ablehnung nicht in derselben Zeit.

Dreh den Einwand aktiv um. Sag im Gespräch selbst, dass du das Produkt noch lernst, aber schon jetzt weißt, wie ein Gespräch mit einem unsicheren Kunden läuft. Das nimmt dem Einwand die Spitze, bevor ihn jemand ausspricht.

Ein zweiter Einwand kommt beim Gehalt: Wer aus einem Job mit niedrigerem Fixgehalt wechselt, wird manchmal gefragt, ob er die variable Vergütung im Vertrieb überhaupt verkraftet, wenn ein Monat schlecht läuft. Ehrliche Antwort darauf ist ein Finanzpolster für die ersten Monate, nicht die Behauptung, das Risiko störe dich nicht. Ein dritter, seltener ausgesprochener Einwand betrifft das Alter oder die bisherige Berufsdauer, hier hilft am meisten, klar zu sagen, warum der Wechsel jetzt und nicht später passiert.

Wie ein Verkaufs-Test dir als Quereinsteiger hilft

Ein Verkaufs-Test ist für Quereinsteiger oft der schnellste Weg zur Zusage, weil er zeigt, was ein Lebenslauf nicht zeigen kann. Statt über deinen alten Job zu reden, führst du ein echtes Gespräch mit einem eingebauten Einwand und wirst danach nach deinem Auftreten bewertet, nicht nach deinem Titel.

Wie so ein Verkaufs-Test abläuft und worauf dabei geachtet wird, erklären wir im Detail auf einer eigenen Seite.

Häufige Fragen

Kann ich ohne Ausbildung oder Studium in den Vertrieb einsteigen?

Ja. Für den Einstieg als SDR zählt weniger ein bestimmter Abschluss als die Erfahrung, Kundenkontakt und Ablehnung schon einmal ausgehalten zu haben. Viele erfolgreiche Quereinsteiger kommen aus Gastronomie, Einzelhandel oder Callcentern.

Mit welchem Gehalt kann ich als Quereinsteiger im Vertrieb rechnen?

Als Junior-SDR liegt das Jahresgehalt laut StepStone meist zwischen 34.000 und 50.000 Euro, je nach Fixum-Anteil und Region. Mit Erfahrung und beim Wechsel zum Account Executive steigt die Spanne deutlich.

Wie lange dauert die Einarbeitung als Quereinsteiger?

Die fachliche Grundlage, CRM, Gesprächsleitfaden und erste Routine am Telefon, baust du in den ersten Monaten auf. Bis sich Ergebnisse und Sicherheit stabil anfühlen, dauert es bei den meisten länger als die ersten Wochen.

Was mache ich, wenn ich im Gespräch keine klassische Vertriebserfahrung vorweisen kann?

Übersetze konkrete Situationen aus deinem bisherigen Job in Vertriebssprache: wie viele Kontakte du hattest, wie du mit einem schwierigen Kunden umgegangen bist und was dich am Verkaufen selbst reizt. Ein Rollenspiel im Auswahlprozess zeigt das oft besser als jede Beschreibung.

Du willst in den Vertrieb, oder den nächsten Schritt?

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