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Karriere

Vertriebsjob im Startup oder im Konzern?

Weder Startup noch Konzern ist im Vertrieb grundsätzlich die bessere Wahl. Beide Wege bringen unterschiedliche Vorteile und unterschiedliche Risiken mit, und welcher zu dir passt, hängt stärker von deiner aktuellen Situation ab als von der Frage, welches Modell gerade als moderner gilt.

Dieser Beitrag vergleicht beide Wege ehrlich, auch wenn Topbesetzung selbst Vertriebsrollen bei Startups besetzt.

Was den Unterschied wirklich ausmacht

Der Kernunterschied zeigt sich in Struktur und Tempo. Im Konzern läufst du in einen eingespielten Prozess mit klaren Rollen hinein, im Startup baust du oft an genau diesem Prozess mit, während du gleichzeitig verkaufen sollst.

Das entscheidet meistens mehr über deine Zufriedenheit als die Höhe des Gehalts: Willst du in einem System arbeiten oder an einem System mitbauen?

Der Vergleich in einer Tabelle

KriteriumStartupKonzern
StrukturWenig bis im Aufbau, du prägst sie mitEtabliert, klare Prozesse und Freigaben
EinarbeitungKurz, oft learning by doingLänger, mit festem Onboarding-Programm
ProduktreifeTeils noch in Entwicklung, mehr Feedback-Schleifen mit KundenAusgereift, weniger Überraschungen im Verkaufsgespräch
GehaltssicherheitAbhängig von Finanzierungsrunde und UmsatzHöher, an Tarif oder feste Bänder gebunden
LerngeschwindigkeitHoch, viele Themen gleichzeitigLangsamer, dafür tiefer in einem Bereich
KarrierewegeSchnell, aber weniger vorgezeichnetKlar vorgezeichnet, dafür langsamer
RisikoHöher, an das Überleben des Unternehmens gekoppeltNiedriger, an die Stabilität des Konzerns gekoppelt

Keine Zeile ist per se gut oder schlecht, sie zeigt nur, wofür du dich entscheidest, wenn du dich entscheidest.

Wie hoch das Risiko im Startup wirklich ist

Real, aber geringer, als oft behauptet wird, wenn das Unternehmen bereits Mitarbeitende hat. Von Unternehmen, die schon bei der Gründung Beschäftigte hatten, war laut IFM Bonn auf Basis von Destatis-Daten nach fünf Jahren noch knapp die Hälfte (49,5 Prozent) aktiv, bei Unternehmen ganz ohne Beschäftigte bei Gründung war es nur gut ein Drittel.

Für ein frisch finanziertes Startup mit Vertriebsteam ist das relevant, weil genau diese Unternehmen zur Gruppe mit Beschäftigten von Anfang an gehören. Das Risiko bleibt trotzdem real: Laut Handelsblatt meldeten 2024 in Deutschland 336 Startups Insolvenz an, rund 17 Prozent mehr als im Jahr davor. Ein Konzern baut ebenfalls Stellen ab, aber selten verliert das ganze Unternehmen seine Grundlage innerhalb eines Jahres.

Was Struktur und Einarbeitung konkret bedeuten

Im Startup bekommst du seltener ein durchdachtes Onboarding-Programm, weil oft schlicht die Zeit fehlt, es zu bauen. Bei US-Startups dauerte es 2024 im Schnitt 284 Tage bis zur ersten Neueinstellung überhaupt, 2019 waren es noch 214 Tage (Quelle: carta.com), ein Hinweis darauf, wie viel Kapazität Einstellungsprozesse in jungen Unternehmen binden, auch für die Einarbeitung danach.

Im Konzern ist es umgekehrt: Es gibt meist ein festes Programm, eine Mentorin oder einen Mentor und dokumentierte Prozesse. Das kostet Tempo, gibt dir aber Sicherheit, wenn du zum ersten Mal im Vertrieb arbeitest.

Wie sich Gehalt und Sicherheit unterscheiden

Beim Fixgehalt unterscheiden sich Startup und Konzern für vergleichbare Rollen oft weniger, als man denkt, die Spannen für SDR- und Account-Executive-Gehälter, die wir in unseren anderen Beiträgen mit Quelle zeigen, gelten grundsätzlich branchenübergreifend. Der Unterschied liegt eher in der Absicherung: Konzerne zahlen verlässlicher zum Monatsende, Startups koppeln einen größeren Teil an Firmenerfolg, manchmal zusätzlich über Mitarbeiterbeteiligungen wie VSOP-Programme.

Eine Mitarbeiterbeteiligung ersetzt kein zu niedriges Fixum. Sie ist ein Zusatz obendrauf, dessen Wert erst real wird, wenn das Unternehmen verkauft wird oder an die Börse geht.

Wie sich der Alltag tatsächlich anfühlt

Der Unterschied zeigt sich weniger im Vertragsinhalt als in der Woche selbst.

SituationIm StartupIm Konzern
Der Kunde will eine Funktion, die es nicht gibtDu fragst den Gründer, Antwort in einer StundeAnfrage ins Produktmanagement, Antwort in Wochen
Du willst deinen Pitch ändernMachst du und erzählst es montags im MeetingFreigabe über Marketing und Compliance
Ein Deal braucht SonderkonditionenKurzer Anruf, Entscheidung am selben TagRabattstufen sind hinterlegt, darüber hinaus Gremium
Du machst einen FehlerFällt sofort auf, wird sofort besprochenFällt später auf, wandert durch Ebenen

Wer die linke Spalte liest und Lust bekommt, gehört ins Startup. Wer die rechte Spalte als angenehm empfindet, arbeitet im Konzern zufriedener und wird dort auch besser.

Für wen das Startup die bessere Wahl ist

Für dich, wenn du schnell Verantwortung willst, mit Unsicherheit gut umgehen kannst und lieber an einem System mitbaust, als eines zu übernehmen. Besonders der Wechsel von SDR zu Account Executive geht in kleineren Teams oft schneller, weil weniger Ebenen dazwischenliegen.

Ein handfester Vorteil, der selten genannt wird: Im Startup sprichst du früh mit Geschäftsführern, weil dein Kunde selbst ein kleines Unternehmen ist. Im Konzern telefonierst du in den ersten Jahren häufig mit Fachabteilungen. Der Umgang mit Entscheidern auf Augenhöhe ist eine Fähigkeit, die deinen Marktwert stärker hebt als jede Produktkenntnis.

Für wen der Konzern die bessere Wahl ist

Für dich, wenn du zuerst lernen willst, wie ein eingespielter Vertriebsprozess überhaupt aussieht, oder wenn dir finanzielle Sicherheit gerade wichtiger ist als Tempo. Konzerne bieten außerdem häufiger feste, planbare Arbeitsmodelle, auch wenn reine Remote-Vertriebsjobs inzwischen in beiden Welten vorkommen.

Der Konzern hat einen zweiten Vorteil, der im Lebenslauf lange nachwirkt: strukturierte Schulung. Wer bei einem großen Anbieter eine saubere Vertriebsmethodik gelernt hat, bringt sie in jedes Startup mit. Umgekehrt ist der Weg schwerer, weil man sich Struktur ohne Vorbild kaum selbst beibringt.

Was du in beiden Fällen vermeiden solltest

Ein Startup ohne Finanzierung und ohne zahlende Kunden ist ein unbezahltes Risiko für dich. Frag nach der letzten Finanzierungsrunde, nach der Zahl zahlender Kunden und danach, wie lange das Geld reicht. Wer darauf keine Antwort gibt, will sie nicht geben.

Im Konzern ist das Gegenstück eine Rolle, in der du nur Bestandskunden betreust und nie selbst neu gewinnst. Bequem für zwei Jahre, danach fehlt dir genau die Fähigkeit, für die andere zahlen.

Wie du das für dich selbst testest, bevor du unterschreibst

Die Antwort liegt selten in der Unternehmensgröße allein, viel mehr im konkreten Team, das dich einstellt. Frag im Prozess aktiv nach dem Vertriebsprozess, dem Onboarding und wie lange die aktuellen Vertriebler im Team schon dabei sind. Woran du eine gute Anzeige und einen guten Prozess grundsätzlich erkennst, steht in Wie du einen guten Vertriebsjob erkennst.

Egal für welche Seite du dich entscheidest, ein Verkaufs-Test zeigt dir vorher, wie ernst ein Unternehmen die Auswahl nimmt. Wie der gesamte Ablauf als Kandidat bei Topbesetzung aussieht, steht auf der Seite für Vertriebler.

Häufige Fragen

Ist ein Vertriebsjob im Startup riskanter als im Konzern?

Grundsätzlich ja, weil das Risiko an das Überleben des Unternehmens gekoppelt ist. Von Unternehmen mit Beschäftigten von Anfang an war laut IFM Bonn nach fünf Jahren aber immerhin noch knapp die Hälfte aktiv, das Risiko ist real, aber kein Münzwurf.

Verdient man im Startup mehr oder weniger als im Konzern?

Beim Fixgehalt unterscheiden sich vergleichbare Vertriebsrollen oft weniger als gedacht. Der Unterschied liegt eher in der Absicherung und darin, wie viel vom Verdienst an Firmenerfolg oder Provision gekoppelt ist.

Lohnt sich eine Mitarbeiterbeteiligung im Startup?

Als Zusatz ja, als alleiniger Grund für die Entscheidung eher nicht. Ihr Wert wird erst real, wenn das Unternehmen verkauft wird oder an die Börse geht, bis dahin ist sie ein Versprechen auf dem Papier.

Woran erkenne ich im Bewerbungsprozess, ob ein Startup strukturiert arbeitet?

Frag aktiv nach dem Vertriebsprozess, dem Onboarding und wie lange die aktuellen Vertriebler im Team schon dabei sind. Ausweichende oder sehr vage Antworten sagen mehr aus als jede Stellenbeschreibung.

Du willst in den Vertrieb, oder den nächsten Schritt?

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